Prosa

Theodor Storm: Die Regentrude – ein Märchen für Jung und Alt in Zeiten des Klimawandels
„Einen so heißen Sommer, wie nun vor hundert Jahren, hat es seitdem nicht wieder gegeben. Kein Grün fast war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern …“ mehr

Von einem verheerenden Klimawandel erzählt Theodor Storm in seinem wohl berühmtesten Märchen. Durch kurzsichtiges Profitdenken ist die Balance zwischen Mensch und Natur aus dem Gleichgewicht geraten. Storm stellt dem aufgeklärten Glauben an Vernunft und Wissenschaft die Rückbesinnung auf eine beseelte Natur entgegen. In einem der schönsten Kunstmärchen der deutschen Literatur verwandelt der sich mit der Natur in Ehrfurcht verbindende Mensch die apokalyptische Landschaft wieder in ein fruchtbares Paradies.

Joseph Roth: Ich zeichne das Gesicht der Zeit
Essays – Reportagen – Reisefeuilletons mehr

Nicht nur in seinen berühmten Roman (Radetzkymarsch, Hiob) war Roth ein genialer Erzähler. Auch in seinen journalistischen Arbeiten konnte jeder alltägliche Moment zur Geschichte werden. Eine Auswahl dieser Texte zeichnet sein bewegtes Leben nach: von der galizischen Heimat über Wien und Berlin ins Exil nach Frankreich. – Alternativ: „Hiob“ (Lesung & Werkeinführung).

Russische Meisternovellen von Gogol, Puschkin, Tschechow (wahlweise)

Stefan Zweig: Erzählungen – Alternativ kann aus seinen Reiseberichten oder aus seiner Monographie „Brasilien – ein Land der Zukunft“ gelesen werden.

Vladimir Nabokov: Erinnerung, sprich
Einer der großen Erzähler des 20. Jh. erinnert sich an das verlorene Paradies der Kindheit, das Leben im vorrevolutionären Russland, an Ferienreisen in die modernen Badeorte Westeuropas.

Guy de Maupassant: Im Frühling
In seinen 300 Novellen spielt Guy de Maupassant mit unübertrefflicher Klarheit die ganze Skala des Menschlichen von absoluter Tragik bis zu frivoler Komik durch. Um eines gruppieren sich die Themen allerdings fast immer: um das alte, in seiner Vielfalt nie auszuschöpfende Wechselspiel zwischen Mann und Frau.

Heinrich Heine: Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski
Der junge Herr von Schnabelewopski verlässt seine Heimat, um sich im niederländischen Leyden dem Studium zu widmen. mehr

Doch es verschlägt ihn zuerst nach Hamburg und Amsterdam. Auf seinen Reisen widmet er sich mehr den sinnlich-weltlichen Genüssen als ernsthaften Studien. Er stellt dabei allerlei unterhaltsame und humoristische Betrachtungen an über das weibliche Geschlecht, die kulinarischen Eigenheiten Deutschlands und die Menschen im Allgemeinen.

Robert Walser: Poetenleben
Robert Walser (1878-1956) schrieb ca. 1500 kleine Prosatexte, die aufs Engste mit seiner eigenen Biografie verwoben sind. mehr

In ihr findet man die Figuren wieder, die schon früh in Walsers Leben eine existenzielle Bedeutung hatten und ihn als eine fast fiktive, aus mehreren Geschichten zusammengesetzte Person begreifen lassen. Mit der für ihn typischen frechen Demut und herausfordernden Bescheidenheit versteckt er sich hinter ihnen, gibt sich preis, führt seine Leser aber auch in die Irre. So erscheint er uns als „Kind“, „Kommis“, „Spaziergänger“, „Diener“, „Dichter“ und zuletzt als „Wahnsinniger“.

Elias Canetti: Die gerettete Zunge
Canettis Kindheitserinnerungen waren das literarische Ereignis des Jahres 1977. Der spätere Nobelpreisträger (1981) schildert hier seine ersten Lebensjahre in Rustschuk/Bulgarien, einem orientalisch-farbigen, multilingualen Schmelztiegel der Kulturen. mehr

 Weitere Stationen sind das Kaufmannsmilieu von Manchester, der Ausbruch des 1. Weltkriegs im kaiserlichen Wien, die Kriegs- und Nachkriegsjahre im friedlichen Zürich. Canetti erzählt von einer glücklichen Kindheit, in der es Liebe und Eifersucht, Egoismus, Stolz, Zärtlichkeit und Todesfurcht gab und nicht zuletzt die literarische Inspiration durch sein Elternhaus. Seine Lebenserfahrung konzentrierte der brillante Essayist mit 50 skurrilen Charakterbildern unter dem Titel “Der Ohrenzeuge” (1974), die bei dieser Lesung als Intermezzi dienen.

Wolfgang Hildesheimer: Lieblose Legenden
Der durch seine Dramen und Hörspiele, Biographien (Mozart, Marbot) und Romane (Masante, Tynset) bekannt gewordene Autor veröffentlichte 1952 die ersten seiner insgesamt 26 Lieblosen Legenden. mehr

Mittlerweile fast schon legendär geworden, behandeln diese Satiren die Rezeption von Kultur und einzelne Ausformungen dessen, was gemeinhin als Geistes- und Kulturgut anerkannt wird. Grotesk und ironisch führt Hildesheimer in geschliffener Sprache die Wesenszüge des bürgerlichen Lebens und Verhaltens ad absurdum.

W. G. Sebald: Austerlitz
W. G. Sebald, einer der eigenwilligsten Schriftsteller unserer Zeit, erzählt die Geschichte eines Mannes, dem, in den vierziger Jahren als Flüchtlingskind nach Wales gekommen, Sprache und Name geraubt wurden, mehr

und der nun nicht mehr heimisch werden kann in dieser Welt. „Schon lange ist Sebalds Erzählkunst in der gegenwärtigen deutschen Literatur etwas Einzigartiges. In dieser beunruhigend formvollendeten Geschichte hat sie eine Art Vollkommenheit erreicht.“ (H. Detering, „Literaturen“) – Alternativ sind Lesungen aus Sebalds Werken „Schwindel.Gefühle.“ oder „Die Ringe des Saturn“ möglich.

Herta Müller – Schreiben und Leben in der Diktatur
Lesung aus der „Atemschaukel“ & Vortrag Dr. Jutta Höfel (Literaturwissenschaftlerin) mehr

Die 1953 in Rumänien geborene Schriftstellerin Herta Müller (Nobelpreis 2009) erarbeitete in ihren Werken eine unverwechselbare Sprache für die beklemmende Lebenswirklichkeit in einem totalitären Regime. Ihre Erzählungen, Romane und Textcollagen übertragen eindringlich die allgegenwärtige Angst und das zerstörerische Mißtrauen, unter denen die Opfer staatlicher Repression leiden, ebenso wie den intensiven Wunsch nach menschlicher Nähe und persönlicher Freiheit, der in Wortbildern wie „Herztier“ und „Atemschaukel“ Ausdruck findet. (J. Höfel)

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